Das Dissertationsprojekt hat die bundesdeutsche Asyldebatte von 1989 bis 1993 zum Gegenstand, die eine der emotionalsten öffentlichen Auseinandersetzungen in der Geschichte der Bundesrepublik war. Das Augenmerk gilt der Konstruktion, Perzeption und Instrumentalisierung von Bedrohungsszenarien sowie ihren Auswirkungen auf die Bundespolitik, und v. a. auf die deutsche Sozialdemokratie. Die Perspektivgebundenheit von Bedrohungswahrnehmungen wird in der Asyldebatte exemplarisch sichtbar. Gleichzeitig wird deutlich, dass die damit befasste (Partei-)Politik, gerade im Fall der SPD, vielfältigen und teilweise einander widersprechenden Perspektiven und Einflüssen unterlag. Die Debatte fand zudem in einem kurzen, kommunikativ verdichteten Zeitraum statt, in dem sich unterschiedliche, teils längerfristige historische Transformationsprozesse überlagerten und in dem unterschiedliche, miteinander konkurrierende Vorstellungen von der zukünftigen gesellschaftlichen und politischen Ordnung der Bundesrepublik verhandelt wurden. Die Positionierung der SPD und der innerparteiliche Streit über diese Frage werden dabei als besonders untersuchenswert angesehen. Anhand der innerparteilichen Auseinandersetzung und insbesondere dem Umschwenken der SPD in der Asylgrundrechtsfrage 1992 werden exemplarisch zahlreiche Dynamiken der innenpolitischen Auseinandersetzung sichtbar, welche die bundesdeutsche Politik und Gesellschaft im Umfeld der deutschen Wiedervereinigung bewegten.
Nachfolgeprojekt gestartet
Flucht- und Flüchtlingsforschung: Vernetzung und Transfer
Forced Migration and Refugee Studies: Networking and Knowledge Transfer
Auf „Flucht: Forschung und Transfer“ folgt das Verbundvorhaben „Flucht- und Flüchtlingsforschung: Vernetzung und Transfer (FFVT)“.
Das ebenfalls vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Nachfolgeprojekt hat Anfang dieses Jahres begonnen. Besuchen Sie die neue FFVT-Projekt-Webseite https://ffvt.net
Die Projektdatenbank und die interaktive Karte zur Forschungslandschaft der Flucht- und Flüchtlingsforschung in Deutschland werden im Rahmen des FFVT-Projekts fortgeführt. Aktuelle Informationen sind ausschließlich über die neue FFVT-Website abrufbar.
Flucht: Forschung und Transfer.
Flüchtlingsforschung in der Bundesrepublik Deutschland
Seit dem Beginn des Anstiegs der Zahl der Asylsuchenden in der Bundesrepublik 2011 ist die Nachfrage nach wissenschaftlicher Expertise in Politik, Administration, Praxis, Medien und Öffentlichkeit kontinuierlich gestiegen. In diesem Kontext ist die fehlende Vernetzung und Bündelung der Forschung zu Fragen von Gewaltmigration, Flüchtlingspolitik und (Re-)Integration von Flüchtlingen ebenso sichtbar geworden wie der geringe Grad an Aufbereitung wissenschaftlicher Herangehensweisen und Einsichten sowie der mangelnde Transfer der vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse in die politischen und öffentlichen Debatten.
Projekt des Tages
Hier werden täglich wechselnd, zufällig aus der Datenbank ausgewählte Projekte vorgestellt:
Die bundesdeutsche Asyldebatte von 1989 bis 1993. Konstruktion, Perzeption und Instrumentalisierung einer „bedrohten Ordnung“
- Sonderforschungsbereich "Bedrohte Ordnungen" – Universität Tübingen Leitung