Komplexe Traumafolgestörungen bei minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen


Projektart Promotion
Finanzierung
Themen
  • Aufnahme und Integration
  • Gewaltmigration
Disziplinen
  • Medizin und Gesundheitswissenschaften
  • Psychologie
  • Sonstiges
Laufzeit 01/2014 ‒ 12/2015
Geographischer Fokus
  • Deutschland
    • Hamburg
Institutionen
Beteiligte Personen
  • Dipl.-Psych. Franka Metzner
    • Leitung
Kurzbeschreibung

Die Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) ist gut geeignet, um die posttraumatischen Symptome durch einfache, singulären Traumata (z.B. nach einem Unfall) zu erfassen. Bei Kindern und Jugendlichen, die wiederholt interpersonelle Traumata (z.B. sexuellen Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung) erlebt haben, zeigt sich häufig eine über die Kriterien der PTBS hinausreichende Symptomatik. Die komplexen posttraumatischen Symptome können durch die PTBS nur unzureichend erfasst werden, da weder entwicklungspsychologische Aspekte noch die unterschiedlichen Traumatypen (singulär vs. komplex, akzidentiell vs. interpersonal) in der Diagnose nicht berücksichtigt werden. Zur Beschreibung der weitreichenden Symptome nach komplexen, interpersonellen Traumata im Kindes- und Jugendalter wurde von van der Kolk et al. (2009) das Konzept der Traumaentwicklungsstörung (engl. Developmental Trauma Disorder; DTD) für das DSM-5 vorgeschlagen. Vor diesem Hintergrund sollen die komplexen posttraumatischen Symptome bei Kindern und Jugendlichen anhand der Traumaentwicklungsstörung in der vorliegenden Dissertation untersucht werden. Dazu wurde eine klinische Stichprobe von N=75 Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren aus der Flüchtlingsambulanz am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) zu komplexen posttraumatischen Symptomen befragt. Deutschland zählt zwar aktuell nicht zu den weltweiten Kriegs- und Krisengebieten, gehört aber zu den fünf größten Aufnahmeländern für Flüchtlinge der Welt und zählt neben Schweden zu den europäischen Ländern mit der höchsten Anzahl an Asylanträgen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UNHCR, 2012). Die Kinder und Jugendlichen mit Kriegs- und Fluchterfahrungen wurden in der Flüchtlingsambulanz am UKE hinsichtlich erlebter Traumata, PTBS und anderen Achse-I-Störungen sowie hinsichtlich der Traumaentwicklungsstörung mittels strukturierter Interviews untersucht. Zur Erfassung der posttraumatischen psychischen Auffälligkeiten bei den Flüchtlingskindern werden die klinischen Interviews IBS-P-KJ und Kinder-DIPS eingesetzt. Da weltweit bisher kein Instrument für die Erfassung der Traumaentwicklungsstörung veröffentlicht vorlag, wurde ein von van der Kolk et al. erarbeitetes klinisches Interview für die Diagnostik der Traumaentwicklungsstörung, das in einer Feldstudie in den USA erprobt wurde, zur Erfassung der komplexen posttraumatischen Symptome kulturell adaptiert eingesetzt. Die Befragung der Flüchtlingskinder, die nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, erfolgte mit Hilfe von klinisch geschulten Dolmetschern. Die Ergebnisse der ausführlichen, traumaspezifischen Diagnostik sollen den behandelnden Therapeuten Hinweise zur möglichst adäquaten Therapie der Kinder und Jugendlichen dienen. Implikationen für die Diagnostik und Interventionen bei komplex traumatisierten Kindern und Jugendlichen, beispielsweise nach Kriegs- und Fluchterfahrungen, über die PTBS hinaus sollen mit Hilfe der Symptomatik der Traumaentwicklungsstörung abgeleitet werden.

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